Jakobswege in Süddeutschland

Der erste Schritt...

kann sehr schwierig sein (besonders wenn man weder Wanderer noch Survivalfreak ist).

Wenn wir kurz vor der Reise zuhause am Schreibtisch sitzen und an den bevor-stehenden Pilgerweg denken, ist es manchmal sehr schwer vorstellbar, dass wir in den nächsten Wochen

- täglich das 50-100-fache unseres normalen durchschnittlichen Fussweges zurücklegen werden

- über nichts mehr nachdenken müssen (abgesehen davon, die Muschel immer wieder und abends ein Bett zu finden, wo wir unser müdes Haupt hinlegen können)

- nur die Kleidung an unserem Leibe und eine Minitube Zahnpasta brauchen werden und dabei noch nicht einmal das Gefühl haben werden, etwas zu vermissen. . . (?)


Wenn wir dann aber losgegangen sind, lösen sich alle Bedenken in Luft auf. Die Natur, die vielen tiefen Begegnungen mit anderen Menschen, und der Geist des Weges, der dem Pilger durch die Jakobskirchen und die einzigartigen Landschaften offenbar wird, nehmen uns dann so gefangen, dass dieser Weg uns ganz natürlich vorkommen und alle Dinge des Alltags als unwichtig erscheinen läßt.

Viele Dinge, die man sonst im Alltag als lästig empfindet, bekommen auf dem Jakobsweg eine ganz andere Bedeutung. Das frühe Aufstehen wird zu einem einmaligen Erlebnis wenn man morgens, wenn der Nebel noch in den Hügeln hängt, die Rucksäcke packt und loswandert. Auch ein Tag im Regen hat seine schönen Seiten. Und abends ist man stolz, wenn man trotzdem sein Ziel erreicht hat.

Vorsicht! Manchmal wird man durch die kurvenreiche Wegführung des Jakobsweges verführt, über Landstraßen oder Feldwege abzukürzen. Das macht man aber nur ein Mal! Unsere Erfahrung ist, dass ohne die Muschel und andere "Glücksbringer" am Wegesrand die Motivation in den Keller sinkt und man sich auf einmal unendlich müde fühlt, evt. sogar aufgeben will!