Jakobswege in Süddeutschland

Das Pilgern in Nordspanien ist ja mittlerweile zu einer richtigen Modewelle geworden. Um so mehr empfanden wir es als Herausforderung wie im Mittelalter üblich zuhause unsere Tour zu beginnen. Für uns bedeutete das, in Schwandorf in der Oberpfalz loszulaufen.

Der weniger touristisch erschlossene Teil des Jakobsweges in Deutschland ist landschaftlich außerordentlich reizvoll und noch unverbraucht. Erfreulicherweise sind die Wanderwege dennoch relativ gut markiert und es gibt von den verschiedenen Waldvereinen bzw. Jacobsgesellschaften Kartenmaterial, Wanderführer, Flyer und Listen von Übernachtungsmöglichkeiten. Außerdem ist aus jedem Dorf schon mindestens ein Dorfbewohner nach Santiago gepilgert oder kennt jemanden, der das getan hat oder hat zumindest schon davon gehört! Insofern wird man im Allgemeinen sehr freundlich aufgenommen, spontan zur Brotzeit nach Hause eingeladen. Viele stehen mit Rat und Tat zur Seite, z.B. über den weiteren Verlauf des Weges oder der Suche nach dem nächsten Gasthaus.

Wir hatten uns entschlossen, in Gasthäusern, Pensionen und wenn möglich in Klöstern zu übernachten, da es zu der Zeit noch recht kühl war. Aber wir hörten auch von Pilgern, die mit Fahrrädern unterwegs waren und in Zelten übernachteten und von anderen, die mit dem Pferd unterwegs waren und in Scheunen schliefen. Unsere Tipps sind von der Streckenlänge jedoch am ehesten für Fusspilger mit normaler Kondition geeignet, die größtenteils in kommerziellen Unterkünften mit durchschnittlichem Komfort übernachten wollen und ab und an auch dafür offen sind, Ruhe und geistliche Erfahrungen in Klöstern zu finden. Die in den Wegbeschreibungen angegebenen Wegezeiten sind ohne die notwendigen Ruhepausen zu verstehen.

Die Einkehr in einem Kloster oder Pfarramt kann man natürlich überhaupt nicht mit der Übernachtung in einer Pension oder einem Hotel vergleichen. Beide Varianten haben ihre Vorteile, jedoch auch ihre Tücken: der Pilger, der das Erlebnis in einer religiösen Gemeinschaft, geistliche Gespräche und spirituelle Erfahrung sucht, sollte sicherlich versuchen, in einem der am Weg liegenden Klöster Obdach zu finden, wenngleich es manchmal der Geduld bedarf, einen Pfarre. oder ein Kloster zu finden, die einen Pilger spontan aufnehmen. In den meisten Fällen sind wir mit großer Gastfreundschaft aufgenommen und zu den Gottesdiensten, Klosterführungen und den Mahlzeiten eingeladen worden. NuriIn einigen Fällen (Pilgerherberge) mussten wir allerdings zu unserer Verärgerung am nächsten Morgen ziemlich tief in die Tasche greifen, also lieber vorher einmal fragen!

Die Hotels und Pensionen sind unpersönlicher und (meistens) teurer, bieten allerdings auch mehr Komfort, was ja nach einem anstrengenden Pilgertag manchmal auch ganz schön sein kann! Die Tatsache, dass der soziale Druck in einer kommerziellen Unterkunft geringer als in einer Gemeinschaftsunterkunft ist, haben wir als Paar manchmal auch als ganz angenehm erlebt.

Je nachdem zu welcher Jahreszeit man pilgert, trifft man den einen oder anderen Pilger. Der „Traffic“ auf den bayerischen Jakobswegen ist geringen und nicht zu vergleichen mit dem auf den französischen oder spanischen. Umso mehr freut man sich dann, wenn man jemandem begegnet und sich austauschen kann.

Achtung: In Bayern sind des öfteren größere Wandergruppen unterwegs, die teils ganze Pensionen und Gasthäuser ausbuchen. Man sollte dann darauf achten, entweder einen Tag vor dieser Gruppe oder einen Tag nach dieser Gruppe zu laufen, um abends bei der Zimmersuche noch ein Zimmer zu kommen.

"Wenn wir Gottes Reich in unserem Leben sehen wollen, ist es wichtiger, diesen ersten Schritt zu gehen als zu beten, dass die Vision sich erfüllt."