Von Meersburg nach Märstätten
Bevor wir mit der eigentlichen Etappe beginnen, möchten wir noch etwas zum Pilgern in der Schweiz an sich sagen. Wir waren ja schon von zahlreichen Freunden vorgewarnt worden, aber dass es so schlimm kommen würde, haben wir dann doch nicht gedacht. Die Schweiz ist eines der reichsten Länder der Welt und das merkt man (leider) an jeder Ecke. Die Preise sind astronomisch, nicht nur für die Herbergen/ Pensionen, sondern auch für Lebensmittel, Getränke etc. Wer hier pilgern will braucht ein gut gefülltes Portemonnaie - und das entspricht unserer Auffassung nach nicht dem Geiste des Pilgerns. Dazu kommt, dass ein Teil der Schweiz evangelisch-reformiert, d.h. z.T. kalvinistisch, ist (der Kalvin hatte ja bekanntermaßen auch nichts gegen den schnöden Mammon einzuwenden) und es gibt nur wenige bewirtschafteten Klöster oder Herbergen mehr, eher Rudimente. Dass beeinflusst auch sehr stark die Stimmung auf dem Weg. Angenehme Ausnahme in unseren drei Tagen stellt Märstetten mit einer Jakobskirche, Pilgerherberge und engagierten Gemeinde dar. |
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Wir haben auf jeden Fall nach drei Tagen unsere Konsequenzen gezogen, da sich das "Pilgerfeeling", wie wir es aus Deutschland kannten, sich einfach nicht einstellen wollte. Wir schleppten uns nur noch kraftlos dahin und haben dann die Tour abgebrochen und einen anderen Urlaub gemacht. Das ist aber unsere persönliche Sicht und wir wollen natürlich niemanden davon abhalten, es nicht selbst zu probieren!!! |
Unser Weg beginnt in Meersburg und wir überqueren morgens um neun Uhr mit der Fähre den Bodensee. Dann folgt ein langer Fussmarsch auf Asphalt durch die Stadt. Wir sind froh, als wir die deutsch-schweizerische Grenze überqueren und endlich aus der Stadt herauskommen. Die Landschaft ist hier sanft-hügelig und wir wandern bei strahlendem Sonnenschein. Am Weg gibt es sogar die erste kleine Jakobspilgerwirtschaft, die von Hippies neben einem alten Bauernhof unter Bäumen betrieben wird. |
| Ansonsten zeigt sich die Schweiz schon in vollem Glanze, die schmucken Fachwerkhäuser sind denkmalgerecht hergerichtet, auf den Straßen findet sich kein einziges bischen Müll (wir munkeln schon, dass es hier sicherlich Putzroboter gibt, die Alarm schlagen, sobald man etwas auf den Boden wirft), und die ärmlichsten Autos, die wir erblicken können, sind 5er BMWs (!). Wir müssen an das Nazigold, das einst in der Schweiz wie vom Boden verschluckt wurde, die Schweizer Banken und an die sogenannte Neutralität der Schweiz denken und kommen ins Grübeln..... |
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Am späten Nachmittag erreichen wir Märstetten und finden durch Zufall auf dem Weg zur Jakobskirche die neue Pilgerherberge. Sie ist erst seit dem 1.7.2003 geöffnet und stand noch nicht in unserem Pilgerführer. Dafür freuen wir uns umso mehr, als wir diese kleine, sehr geschmackvoll und liebevoll hergerichtete Unterkunft sehen. Den Schlüssel gibt´s gleich um die Ecke bei einer Familie und wir bekommen sogar frischen Pflaumenkuchen und die Zutaten für Spagetti mit Tomatensauce. In der Abendsonne auf der Terasse lassen wir den Tag ausklingen und sind mit der Welt wieder versöhnt.
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Am späten Abend schaut die Herbergsmutter herein und es kommen sogar noch zwei Jakobspilger, die diesmal ausschließlich die Tagesetappe nach Märstätten gemacht hatten, aber kurz zuvor auf dem Camino in Spanien gewesen waren. Nach einer ausgelassenen Unterhaltung und der Lektüre von Jakobsliteratur aus der kleinen Bibliothek im Gemeinschaftsraum am Kachelofen fallen wir zufrieden in die Betten. |
| Die Etappe in Kürze | |
| Anspruch: | ++ |
| Beschilderung: | J |
| Gehzeit: | 5 Std. |
| Länge: | 20 km |
Links zum Jakobsweg in der Schweiz:
Einkehr und Übernachtung: